Wenn sich Pläne ändern – der Kindsvater teilt mit

Immer dann, wenn die Prioritäten vom Dings deutlich werden, entsteht ein schaler Geschmack im Mund. Bei mir natürlich nur. Heute war es wieder so weit. Über die Zeit, in der es Distanzunterricht an den Schulen in NRW gab, hatte der Dings „seinen“ Donnerstag aufrecht erhalten. Das war gut für mich – immerhin ein Tag in der Woche, an dem ich Termine machen konnte. Wichtige Termine, bei denen es eben doch störend ist, wenn Junior alle 5 Minuten reinplatzt. So habe ich für Mai und Juni möglichst alle Termine auf die Donnerstage gelegt. Heute teilt mir der Dings mit, dass er ab sofort wieder Präsenzunterricht geben müsse. Daher könne er ab sofort nur noch ab 14 Uhr. Ich sage nichts. Denn das kenne ich ja schon.

Corona gibt es jetzt seit über 14 Monaten. Bzw. so lange ist es jetzt spürbar für uns, weil unser Rhythmus durch Kita- und Schulschließungen gestört wurde. Ich habe also seit über 14 Monaten immer wieder meine Termine über den Haufen geworfen, geändert, meinen Kunden abgesagt oder sie um eine Verschiebung gebeten. Habe unser Leben jedes Mal, wenn wieder von Präsenz zu Distanz und wieder zurück gewechselt wurde, angepasst und meine Aufgaben angenommen.

Und der Dings? Der hat mir immer nur mitgeteilt, wenn er dann wieder keine Zeit mehr hat, sich um seinen Sohn zu kümmern. Das kenne ich schon: Seine Arbeit ist wichtiger. Meine nicht. Dabei hätte er ja Möglichkeiten,

Prioritäten: Wenn was dazwischenkommt, ist es MEIN Kind

Es ist eigentlich nichts Neues, dieses Verhalten kenne ich schon. Und doch ist es jetzt in dieser Zeit wieder eine Erwähnung wert. Was ist wichtig? Was muss man bedenken? Und vor allem: Was bedeutet Unterstützung denn wirklich?

Wenn der Dings nicht in die Schule muss, ändert er an EINEM EINZIGEN Tag der Woche seinen Tagesrhythmus. Ich an den anderen vier. Und jetzt, wo er wieder in die Schule muss, passt er wieder gar nichts an. Er nimmt das Kind nur, wenn er Lust und Zeit hat. Sonst ist es mein Kind und ich muss zusehen, wie ich die Betreuung regele.

Dabei hat er als Angestellter Kind-Krankentage. Und wie wir ja wissen, zählen die auch für Schulschließungen aufgrund von fiesen Viren wie Corona. Er müsste also nur Bescheid sagen, dass er an diesem und jenem Tag nicht arbeiten kann, WEIL ER SEIN KIND BETREUEN MUSS. Macht er aber nicht.

Ich habe keine Krankentage. Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich auch kein Geld. Ich bekomme auch keine Ausgleichszahlungen von der Krankenkasse, weil ich zwar freiwillig gesetzlich versichert bin, aber ohne Anspruch auf Krankengeld. Also auch kein Corona-Geld. Abgesehen von den pieseligen 300 Euro 2020 und den ebenso pieseligen 150 Anfang 2021 gab es nichts für mich.

Termine ändern sich: Was ich tue

Es ist schon so oft vorgekommen, dass ich Hals über Kopf Termine umschmeißen oder aber eine Betreuung für Junior organisieren musste.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie das war, als es meiner Ma zwischenzeitlich nicht gut ging und sie mir häufig vorher zugesagte Betreuung absagen musste. Was mache ich dann also? Alle möglichen Bekannten anrufen, fragen, ob sie Junior wenigstens kurz betreuen können.

Ein Paradebeispiel war 2016 die OMKB, die Onlinemarketing-Konferenz Bielefeld, zu der ich gern gehen wollte. Eigentlich sollte meine Ma Junior morgens zur Kita fahren, ihn nachmittags wieder abholen und dann bis zum Abendessen betreuen. Dann wurde sie krank und musste mir relativ spontan absagen.

Ich telefonierte wie eine Irre, da ich doch für dieses Ticket bereits bezahlt hatte und im Grunde auch echt gern gehen wollte. Dann hatte ich irgendwann ein Konstrukt gebastelt, das funktionieren konnte: Eine Freundin sollte Junior morgens zur Kita bringen, eine andere ihn abholen und ich würde dann ein paar Stunden früher von der Veranstaltung verschwinden. Irgendwie musste das doch gehen!

Letztlich ging es dann nicht, denn Junior bekam in der Nacht Fieber und konnte also gar nicht in die Kita. Also alle wieder anrufen, erklären, zuhause bleiben. All der Aufwand umsonst. Im Zweifel bin ich eben immer die, die ihre Pläne kippen muss. Weil der Dings sich nicht zuständig fühlt.

Termine ändern sich: Was der Dings tut

Das ist schnell erklärt: Er informiert mich, dass er Junior nicht abholt. Fertig.

Ob ich mit der Betreuung gerechnet habe: Egal. Ob ich meine Termine so gelegt habe, dass ich alles an einem Tag unterbringen kann: Egal. Der Dings informiert.

So wie auch heute. Er informiert mich, dass er Junior ab jetzt wieder nur noch ab Nachmittags abholen kann. Dabei geht es doch nur um die Donnerstage. Um 5 Donnerstage bis zu den Schulferien.

An denen müsste er – je nachdem, ob wir im Wechselmodell bleiben oder in den vollen Präsenzunterricht gehen – entweder komplett frei nehmen oder aber die letzten Stunden, um Junior um 11:40 Uhr aus der Schule abzuholen.

FÜNF TAGE. Er macht es aber nicht. Denn ob ich die Zeit brauche oder verplant habe, ist ihm egal. Ob ich Termine absagen oder schieben muss, ist ihm egal. All das ist dem Dings egal. Er fühlt sich nicht zuständig. Sein Job ist halt wichtiger als die Betreuung seines Kindes.

Und ich muss mich hart zusammenreißen, denn ich darf dazu ja nichts sagen. Zumindest nicht vor Junior. Mir ist schlecht, aber ich darf nichts sagen.

Es ist ätzend.

Deine, mal wieder den Terminkalender umschmeißende
Anna

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