Was wirklich wichtig ist: Weniger Angst, mehr heute

Ich habe mich kürzlich unglaublich darüber gefreut, als ich einen Heißluftballon gesehen habe. Noch dazu mitten in der Stadt. Das war für mich außergewöhnlich, denn da gehört schon was dazu. Viele Menschen laufen ja heutzutage durch die Straßen und schauen runter auf ihr Smartphone – sie hätten den Ballon nicht gesehen. Ich aber hatte an diesem Abend so viel Zeit zum Schauen, dass ich ganz viel Glück aufsaugen konnte. Denn manchmal sind die kleinen Dinge genau das, was wirklich wichtig ist.

Über solche kleinen Dinge kann ich mich so sehr freuen – „wie ein kleines Kind“. Aber meine Begleitung an diesem Abend meinte ernüchternd: „Na, wenn es wenigstens ein schöner Ballon wäre… Du bist erwachsen!“ Haben wir alle verlernt, zu staunen und uns zu freuen? Ich möchte wieder mehr davon!

Es gibt Menschen, die sind so sehr mit dem Außen beschäftigt, dass sie ganz vergessen, was im eigenen (!) Leben eigentlich wichtig ist. Klar, das große Glück ist so ein Zustand, der nicht gut zu greifen ist und den wir im Zweifel sowieso nicht erreichen. Aber was ist mit dem kleinen Glück? Mit den Dingen, die wir heute für uns tun können, um den Tag ein bisschen besser zu machen?

Ich habe eine Glücksliste, aber lange habe ich nicht mehr drauf geschaut. Denn immer kam etwas dazwischen oder es war nicht genug Zeit. Oder es kam der Gedanke auf, das Kind würde daran sicher keinen Spaß haben. Aber ist das so? Oder sind unsere Kinder nicht viel glücklicher, wenn wir auch glücklich sind? Denn sie sind wahre Meister darin, das kleine Glück zu finden – immer wieder.

Die Sache mit der Angst und warum sie uns im Weg steht

Mein Artikel heute hat nur am Rande mit dem Alleinerziehenden-Dasein zu tun, denn eigentlich betrifft es alle Menschen. Und ich finde, alle sollten ab und zu mal etwas für das kleine Glück tun – und damit gegen die Angst. Denn was uns oft hindert, sind Gedanken wie „Was werden die Leute denken?“ oder „Und wenn das schief geht?“. Ja, genau: Doof.

Denn wen interessiert es, was die Leute denken, wenn wir dafür ein Stückchen Glück geschaffen haben? Wie viele Entscheidungen sind nicht getroffen worden, aus Angst davor, dass jemand schlecht über uns denken könnte? Oder aus Angst davor, dass Unternehmungen scheitern könnten? Wie kommt es, dass wir uns von großartigen Plänen abhalten lassen, bloß weil jemand zu uns sagt „Das kann doch nicht gut gehen! Hast du dir das auch gut überlegt?“.

„Was ist denn das für Eine?“

Ich habe mich an dem Heißluftballon gefreut und ich bin stehen geblieben, um ihn mir noch ein wenig länger anzusehen. Kann schon sein, dass irgendjemand dachte „Was ist denn das für Eine? Hat die noch nie nen Heißluftballon gesehen?“

Und es kann gut sein, dass jemand das lächerlich und kindisch fand. Das gleiche könnte passieren, wenn ich mit Junior rumblödele, wenn wir Wettrennen machen und herumhüpfen und tanzen – auch mal an der Straße auf dem Weg zur Uni. Sicher haben sich einige Kommilitonen schon gedacht, wie albern das doch ist.

Was ist schlimmer als die Angst?

Aber was ist die Alternative? Wollen wir denn wirklich immer angepasst und ernst sein? Wollen wir immer politisch korrekt und bloß nicht albern sein? Damit wir uns nicht „lächerlich machen“ und uns benehmen wie Kinder?

Aber wenn es doch nun mal attraktiv und schön ist, sich wie ein Kind zu benehmen? Weil es Spaß macht, laut zu lachen und komische Geräusche zu machen? Und weil es unglaublich gut tut, ab und zu mal Quatsch zu erzählen und nicht ständig so zu tun, als seien wir perfekt? Weil es gerade das ist, was wirklich wichtig ist – in diesem Moment, im Augenblick.

Was soll schon passieren?

Wäre die Welt nicht furchtbar langweilig ohne Leute, die mal aus dem Rahmen fallen? Ich singe im Auto – auch manchmal falsch, weil ich den Text nicht kenne. Und ja, ich weiß, wie man sich blamiert – das ist mir schon so oft passiert.

Ich kann mich im Restaurant bekleckern und in der Disko ausrutschen, ich kann Dinge fallen lassen, über die verschiedensten Gegenstände (oder meine eigenen Füße) stolpern und ich kann sogar gegen Laternen laufen, weil ich irgendwo anders hingeschaut habe. Eigentlich ist alles „Schlimme“ schon mal passiert und ich lebe noch. Was also soll passieren?

Nur nichts verpassen

Was aber, wenn wir aus Angst viele kleine (und große!) Dinge verpassen? Wenn wir Gelegenheiten nicht nutzen, weil wir glauben, wir könnten scheitern? Mein Leben ist eine Aneinanderreihung von Chancen, die ich nicht verpassen wollte.

Ich habe mich in Beziehungen geworfen, in Ausbildungen, in Hobbys. Habe mich verliebt, habe mir Feinde gemacht und dann wieder neue Menschen in mein Leben gelassen. Ich habe mich aus dem Stegreif selbstständig gemacht, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie das geht. Aus Neugier und mit einer gehörigen Portion Mut und Durchsetzungsvermögen. Ich habe so unglaublich viel gelernt und geschafft!

Nur Mut! Auch wenn´s mal in die Hose geht

Das alles hätte ich verpasst, wenn ich auf die Schwangerschaftsberatung in der Uni gehört hätte. Die hatte mir nämlich geraten, ein oder mehrere Urlaubssemester einzulegen, um Sozialhilfe beantragen zu können. Dabei war ich doch dort, um zu erfahren, welche Unterstützung es gibt und wo ich Hilfe finde, um weiter unabhängig und aktiv zu bleiben. Aber das interessierte dort niemanden. Gut, dass ich so stur bin und eine Lösung für mich gefunden habe, Kind, Studium und Arbeit unter einen Hut zu kriegen.

Ich habe auch ein paar dumme Entscheidungen getroffen aus der gleichen Motivation. Zum Beispiel, als ich den Dings in meine Wohnung einziehen ließ, obwohl ich wusste, dass das nicht klappen würde. Aber ich wollte mir nicht sagen lassen, ich hätte es nicht versucht. Also wohnte er ein gutes halbes Jahr bei mir und mindestens die Hälfte dieser Zeit stritten wir. Aber auch diese Entscheidung will ich nicht missen, immerhin ist in dieser Zeit ein ganz wunderbarer Mensch entstanden. Wer weiß, ob das auch so gewesen wäre, wenn ich damals „Nein“ gesagt hätte?

Über das kleine und das große Glück

Ich möchte in Zukunft viel mehr im Heute leben und ich möchte mehr von dem tun, was mich genau jetzt ein bisschen glücklicher macht. Denn ich will mich nicht morgen fragen müssen, was ich wohl hätte haben können, wenn ich mutiger gewesen wäre. Ich will nicht einen Tag unglücklich sein, wenn ich selbst etwas daran ändern kann. Ich möchte mir nichts vorwerfen müssen und immer alles versuchen, mein Bestes geben.

Und wenn das bedeutet, den Fußboden noch einen Tag länger sandig zu lassen, um spontan ein Eis essen zu gehen, dann nehme ich das gern in Kauf. Klar, es gibt immer Tage, die durchgetaktet sind. Die stressig sind und an denen die Laune mies ist.

Aber hey, selbst so ein Tag wird besser, wenn ich abends den Laptop ausschalte und ein überteuertes Eis vom Kiosk hole. Oder einen Spaziergang mache. Wenn ich ein schönes Frühstück mit lieben Freunden plane oder meine Lieblingsmusik anmache und durch die Küche tanze.

Und könnte es nicht sein, dass das große Glück nur aus der Summe aller kleinen Glücksmomente besteht? Ich glaube an Karma. Und jetzt gerade ist das der naheliegendste Gedanke der Welt.

Was wirklich wichtig ist: Meine Glücksliste

Das kann ich ganz alleine herstellen:

  • Einen richtig guten Kaffee trinken (gehen).
  • Frühstücken gehen (zuhause ist es auch schön, aber ein Frühstücksbuffet ist noch mal besser).
  • Spazieren gehen (am liebsten durch den Wald, aber Park tut´s auch).
  • Musik hören (laut) und
  • dazu tanzen (egal ob in der Disko oder in der Küche) und
  • dazu singen (das dann doch lieber nicht in der Disko).
  • Eis essen (in der Eisdiele ist schon mega – aber zur Not geht auch eins auf die Hand).
  • In der Sonne sitzen.
  • Joggen gehen.
  • Einen Sonnenuntergang anschauen.
  • Etwas schreiben (am besten per Hand).
  • Malen.
  • Ein neues Buch kaufen (und lesen!).

Dafür brauche ich andere Menschen:

  • Gute Gespräche.
  • Rumtoben mit meinem Sohn.
  • Filme schauen (ich weiß, dass das auch alleine geht, macht aber nicht so glücklich).
  • In einer Bar an der Theke sitzen und ein Glas Wein trinken (geht auch alleine, ist dann aber eher uncool).

Glückliche Grüße
Anna

Bild: Public Domain. Free Photos, Pixabay

10 Antworten auf „Was wirklich wichtig ist: Weniger Angst, mehr heute“

    1. Liebe Inge!

      Aber natürlich darfst du! Ich freu mich, wenn dieser so wenig gepushte Blog mal Aufmerksamkeit erhält 😉

      Herzliche Grüße
      Anna

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