Weihnachten als Alleinerziehende: Was für ein Fest!

Heute ist der erste Dezember, morgen der erste Advent. Der Weihnachtsmarkt ist hier in Bielefeld am Montag gestartet. Und ich hänge mit meinen Gedanken an diesem lästigen Drumherum, das Weihnachten zu einem Stress-Faktor werden lässt. Weihnachtsfeiern zum Beispiel. Oder Plätzchenback-Aktionen.

Und natürlich: Der Adventskalender. Jeder Idiot bekommt heutzutage einen solchen Kalender, oftmals allerdings nur die abgespeckte Version aus billiger Schoki und viel Müll am Ende. Und ich frage mich: Wie lange ist es her, dass mir jemand einen Adventskalender geschenkt hat?

Ich gebe es zu: Ich mag Weihnachten nicht besonders. In meinen Zwanzigern habe ich das so minimalistisch wie möglich gefeiert – meine Brüder und ich waren meistens bei unserer Mutter zum Essen und das war’s dann auch schon. Hauptsache, die Familie hatte sich gesehen, es war gemütlich, aber nicht abendfüllend. Mittlerweile kann ich mich vielen Weihnachts-Bräuchen nicht mehr so leicht entziehen und das finde ich sehr, sehr anstrengend.

Der Adventskalender: Kinder und Konsum

Ich habe den Adventskalender für Junior gestern Nacht gebastelt. Es war also bis heute Morgen nichts davon in unserer Wohnung zu sehen. Ich beobachtetet, wie mein Sohn im Lauf der vergangenen Woche immer nervöser wurde, weil er auf seinen Kalender wartete. Gestern sprach er das Problem dann ganz offen an: „Mama, morgen ist doch der erste Dezember – da darf ich doch das erste Türchen aufmachen?“

Mein Sohn hat keine Ahnung, welches Datum ist und wann man das erste Türchen aufmacht. Aber er wird seit ein paar Wochen von dem Dings darauf trainiert. Denn der hat schon lange einen Billig-Schoki-Feuerwehrmann-Sam-Kalender in seiner Wohnung hängen. Ein Kalender, der nichts enthält außer billigem Zucker und einer Menge Müll: Pappe, Plastik, das volle Programm. Und immer, wenn er beim Dings ist, erzählt der ihm, wann er das erste Türchen aufmachen darf. Er ist also voll auf Advent konditioniert.

Stereotyp und möglichst einfach

Selbstverständlich hat der Dings wie immer keinerlei Absprachen mit mir getroffen. Und natürlich hat er es sich leicht gemacht – welches Kind steht nicht auf billige Schokolade? Und das Beste daran ist ja, dass Junior immer wenn er dort ist, gleich mehrere Türchen aufmachen kann – er ist ja nicht jeden Tag dort. So kommt es dann also, dass er nicht jeden Tag ein kleines Stück billige Schoki isst, sondern einmal in der Woche nen ganzen Haufen. Das macht Spaß und passt perfekt zu allem anderen, was der Dings in seiner „Papa-Zeit“ so macht.

Ich hätte tausend andere Ideen für einen schönen Adventskalender gehabt (man hätte mich ja fragen können) und selbst wenn man zu faul ist, selbst einen zu basteln und zu befüllen, so hätte man doch zumindest einen mit Büchern kaufen können oder mit Spielzeug. Aber das ist natürlich viel zu viel verlangt für einen Spaß-Papa, der sich keine Mühe machen möchte. Hauptsache Konsum. Weihnachten ist ja auch das Fest des Konsums.

Warum ich noch nie einen Schoki-Adventskalender gekauft habe

Es gibt viele gute Gründe, diese Form von Adventskalendern zu boykottieren: Ökologisch sind sie eine Katastrophe und die Schokolade schmeckt nach gar nichts – das sind die offensichtlichen Gründe. Es gibt aber noch einen weiteren entscheidenden Grund, selbst zu basteln: Es ist das drin, was gerade wirklich gebraucht wird.

Spielzeug-Adventskalender sind natürlich eine Alternative zu billiger Schokolade. Aber ganz ehrlich? Meistens sind sie überteuert und es ist nie das drin, was man eigentlich schenken möchte. Genauso verhält es sich mit Büchern: Ich habe vor ein paar Jahren mal den Adventskalender von Pixi gekauft und da waren so viele doofe Geschichten drin, die ich im Leben nicht so gekauft hätte.

Man kauft also viele, viele Dinge, die letztlich nicht benutzt werden. Da ist es doch besser, selbst zu basteln und genau die Dinge hineinzutun, die gerade für das Kind wichtig sind.

Die Lust am Schenken: Persönlich vs. gekauft

Ich habe für einige meiner Ex-Partner Adventskalender gebastelt, die ich mit schönen kleinen Dingen gefüllt habe. Für mich war aber das wichtigste daran, dass ich jeden Tag auch einen ganz persönlichen Gedanken, ein schönes Zitat, eine Anregung in den Kalender packen konnte.

Es gibt eben Dinge und es gibt Austausch zwischen Menschen. Dinge fördern Beziehungen nicht. Klar bekommen wir gern etwas geschenkt – aber was daran wirklich schön ist, ist doch der Gedanke, dass die Person an mich gedacht hat. Dass sie sich Gedanken gemacht hat, worüber ich mich freuen könnte.

Dinge sind eben nur Dinge. Ich glaube ganz fest daran, dass wir gerade zu Weihnachten lieber in Beziehungen investieren sollten als in Dinge. Denn davon haben wir eh schon genug.

Natürlich sehe ich ein, dass Kinder auch Geschenke erwarten. Ich möchte auch niemanden um den Moment bringen, in dem das Kind mit glänzenden Augen das Geschenkpapier aufreißt und sich maßlos freut. Aber gerade bei kleinen Kindern muss das nicht immer das riesige, teure Spielzeug sein – oftmals sind es die kleinen Dinge, die am meisten Freude bereiten.

Im vergangenen Jahr bekam mein Sohn von mir ein ferngesteuertes Auto und einen neuen Klebestift. Was glaubst du, womit er sich länger und intensiver beschäftigt hat? Genau: Mit dem Klebestift wurde den halben Abend lang gebastelt und gewerkelt.

Weihnachten als Alleinerziehende: Zwischen Verpflichtungen und Spießrutenlauf

Selbstverständlich gibt es in Juniors Gruppe in der Kita einen „gemütlichen Adventsnachmittag“, zu dem alle Eltern kommen. Und klar – alle sollen auch etwas Selbstgebackenes mitbringen. Ob Kekse oder Stollen ist dabei egal, Hauptsache, man hat sich dafür stundenlang in die Küche gestellt. Denn wenn wir von etwas zu viel haben, dann ist es ja Zeit.

Es gibt dann die ganz Hartgesottenen Alleinerziehenden, die eine Packung Aldi-Lebkuchen mitbringen. Ich bewundere das. Denn ganz egal zu welchem Anlass muss man sich mit den Super-Hausfrauen vergleichen lassen. Die haben dann nicht nur Kekse gebacken, sondern ganz schnell noch ein Blech Lebkuchenherzen zusätzlich – „Ich war ja gerade eh dabei!“

Ja, die gibt es immer noch. Selbst an der Uni-Kita, an der ich mit mehr selbstbewussten, aufgeklärten Müttern gerechnet hatte. Aber die Rollenklischees greifen auch bei den gut ausgebildeten Studierenden. Sie profilieren sich über Kekse, selbstgenähte Karnevals-Kostüme und Thementorten zum Geburtstag.

Kommt man also mit einem schnöden Rührkuchen (sieht halt nicht so spektakulär aus, schmeckt aber besser als die stylischen Lebkuchenherzen!), so isst niemand davon. Und wenn du die Aldi-Lebkuchen oder Spekulatius mitbringst und sie verschämt zum Büfett stellt, dann schauen dich mitleidige Augen an.

Weihnachtsfeiern: Zum Glück ist Junior jetzt groß

Die ersten Weihnachtsfeiern in der Kita waren höllisch anstrengend. Denn im Gegensatz zu den „richtigen Familien“ kommst du ja immer allein mit deinem Kind. Die erste konnte mein Sohn nicht mal laufen, ich habe ihn also durch die Gegend getragen.

Wenn du dann eine Tasse Kaffee trinken willst, musst du geschickt und schnell sein. Denn dein Kind kann jederzeit schlechte Laune bekommen und dann ist es vorbei mit vorweihnachtlich-besinnlicher Stimmung. Während sich also die anderen Eltern damit abwechseln, Kaffee zu trinken und zu essen, bist du hochkonzentriert, um auch etwas vom Büfett abzubekommen.

Zum Glück ist Junior jetzt älter. Er nimmt sich selbst seine Kekse und dann ist er auch schon mit seinen Kollegen zum Spielen verschwunden. Ich sitze und trinke Kaffee und esse von meinem schnöden Rührkuchen, der so lecker ist. Was für ein Fest! Aber ist ja alles für die lieben Kleinen… Ach nee, die kümmern sich ja kaum um die Kekse, sondern spielen. Tja, was tut man nicht alles.

Basteln und Backen im Akkord

In der Kita wird jetzt viel gebastelt und gebacken (und bei den Super-Hausfrauen sicher auch). Ich bin ja meistens froh, wenn ich den grundlegenden Standard halten kann, was meinen Haushalt angeht. Daher schiebe ich große Back-Aktionen gerne vor mir her.

Aber wenn der Druck zu groß wird, kommt die eine Back-Aktion mit Junior, bei der er immer sehr engagiert startet und nach einer halben Stunde die Lust verliert. Dann backe ich die restlichen Kekse zu Ende und das Thema backen ist wieder vom Tisch. Profi-Tipp für Alleinerziehende: Wenn es unbedingt Ausstechen sein muss, wähle große Förmchen. Oder aber du nimmst ein Glas zum Ausstechen. Je größer die Plätzchen, umso weniger Stress. Und runde Plätzchen gehen auch nicht so schnell kaputt wie diese fitzeligen Tannen und Engel 😉

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Mein Sohn ist ein großer Fan von jeglicher Deko, er liebt alles, was glitzert und glänzt. Daher habe ich gestern die Bastelaktion zum Thema Adventskranz gestartet. Mit Glitzer und Bommeln und viel Kleber. So eine Bastelaktion kann auch mal ausarten und man muss eben damit rechnen, dass hinterher die ganze Wohnung glitzert. Aber was soll’s, es ist ja Weihnachten. Diese Tannenbäume aus Eierkartons sind übrigens ziemlich einfach herzustellen und außerdem noch günstig.

Ärger, Stress und Druck – das alles gehört für mich zu Weihnachten als Alleinerziehende

Weihnachten und die Adventszeit sind also vollgestopft von Erwartungen, besonderen Anforderungen und Ausgaben. Das alles macht es zu einer Zeit, die mir grundsätzlich nicht gefällt. Und ich weiß jetzt schon, dass mich die Geschenke vonseiten des Dings und der Großeltern väterlicherseits ärgern werden. Denn sie sind die, die für viele unnütze Dinge Geld ausgeben, während ich für Winterstiefel und ausreichend Strumpfhosen spare.

Aber hey, vielleicht gibt es auch mal den ein oder anderen besinnlichen Abend für mich – immerhin kenne ich diese ganzen Mechanismen schon länger. Und wie war das noch mit Dingen, die man nicht ändern kann? Richtig, man braucht Gelassenheit, um sie hinzunehmen. Ich arbeite dran.

„Besinnliche“ Grüße
Anna

Bilder: privat.

8 Antworten auf „Weihnachten als Alleinerziehende: Was für ein Fest!“

  1. Hallo Anna,

    besonders gefallen mir diese Sätze von Dir: „Dinge sind eben nur Dinge. Ich glaube ganz fest daran, dass wir gerade zu Weihnachten lieber in Beziehungen investieren sollten als in Dinge. Denn davon haben wir eh schon genug.“ Sehr richtig und sehr wahr.

    Ich finde, mit dem Schoko-Adventskalender darfst du dich ein bisschen lockerer machen. 24 Mini-Schokoplättchen sind kein Weltuntergang. Lass deinem Sohn seinen Spaß daran, so lange er ihn noch hat. Meiner ist 6, den interessiert der Schokokalender schon gar nicht mehr.

    Schöne Weihnachtstage dir.

    Christina von getrenntmitkind.de

    1. Hallo Christina,

      danke für deine Worte und deinen Zuspruch besonders zu meinen Überlegungen, was Geschenke angeht. Seit ich Mutter bin hat sich bei mir einfach viel verändert – ich setze meine Prioritäten mittlerweile ganz anders. Und ich glaube, dass wir unseren Kindern ruhig vorleben können, was wichtig ist und was nicht. Ich würde nahezu alle meine Sachen hergeben, wenn ich dadurch mehr Zeit gewinnen könnte. Geht leider nicht ganz so einfach, aber ich glaube, dass sich durch eine Reduzierung auch der Fokus verbessert. Dann haben wir einfach mehr Platz im Kopf für das, was wichtig ist: Die Menschen in unserem Leben.

      Und zu der Schokolade: Ich denke, es macht mich sauer, weil ich ja seit knapp 2 Jahren nahezu zuckerfrei lebe. Junior nicht, aber doch sehr reduziert, denn bei uns im Haushalt gibt es einfach kaum Süßes. Bedeutet: Es sind alle Kämpfe schon gekämpft, es wäre leicht gewesen, Junior mit kleinen zuckerfreien Dingen zu überraschen. Und ich mag es nicht, wenn man sich alles so leicht wie möglich macht, während andere gegen die Zuckerberge zur (Vor-)Weihnachtszeit kämpfen. Denn jeder Hans und Franz (Nachbarn, Kita, Freunde, Bekannte) verschenken zu dieser Zeit (noch) mehr Süßes als sonst schon. Es geht also mehr um die Gedankenlosigkeit als um die Schoki 😉

      Ich wünsche auch dir schöne Feiertage, ich hoffe man liest sich wieder
      Anna

    2. Liebe Anna,
      ich verstehe dich sehr gut.
      Ich finde, nach einer Trennung lebt man ganz automatisch als Minimalist, mir ging es zumindest so. Hier habe ich darüber geschrieben: https://www.getrenntmitkind.de/details/681.html

      Dein zuckerfreies Leben finde ich sehr spannend. Hast du darüber auch schon mal geschrieben? Würde mich interessieren.

      Auf meinem aktuellen Beitrag habe ich dich auch verlinkt: https://www.getrenntmitkind.de/details/weihnachten-ohne-Kind.html

      Frohe Weihnachten dir und deinem Sohn.
      Christina

    3. Liebe Christina,

      danke für deinen Hinweis, ich verschlinge gerade alles zum Thema Minimalismus – das ist sozusagen ein großes Projekt für 2019.

      Über mein zuckerfreies Leben habe ich noch nicht geschrieben, ich bin hier ja nur ganz unregelmäßig aktiv. Ich habe so viel zu sagen, aber da haben derzeit einfach mein anderer Blog und meine Selbstständigkeit Priorität. Vielleicht schaffe ich es im kommenden Jahr, hier ein bisschen Routine reinzukriegen. Dann freue ich mich natürlich, wenn du wieder vorbeischaust 🙂

      Danke fürs Verlinken, ich finde es super, wenn man so über die Geschichten in Kontakt kommt und bleibt.

      Frohe Weihnachten auch für dich
      Anna

  2. Liebe Anna,

    Ob Du das jetzt hören willst, oder nicht: die anderen Supermamas werden Dich auch noch durch die Schulzeit begleiten. Wir nennen sie „Schafseltern“. Immer plökend der (backenden und bastelnden) Herde nach! Das Mindeste, was Du vorbereitend schon einmal tun kannst: ein Pinterestboard mit raffinierten DIY Schuleintrittstüten erstellen. Möge das Supermama-Wettrüsten beginnen. Du befindest Dich quasi in der Vorhölle zum kalten (Mütter)Krieg. Besinnliche Tage!

    1. Liebe Steffi!

      Also ich habe irgendwie die Idee, dass es leichter wird, wenn Junior älter wird. Denn wenn er selbst keinen Wert auf Thementorten zum Geburtstag legt, weil er halt meinen Kirsch-Schoko-Blechkuchen leckerer findet, dann sind mir die Muttis auch egal 😉

      Ein frohes Fest für dich und deine Familie
      Anna

  3. Hallo Anna,
    Du hast so humorvoll geschrieben, dass ich grinsen musste obwohl es für Dich alles andere als witzig ist und war.

    Steh zu Dir und Deinen Fertigkeksen!!! Ich beglückwünsche mich mittlerweile selber wenn ich diesen ganzen Druck nicht mitmache. Ich habe aber auch lange geübt, denn meine Große ist 18.

    Dieses Jahr gab es das 1. Mal keine selbst gemachten Adventskalender und auch keine aus Schokolade. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, was jeder will. Mein 9-jähriger ist mit seinem Playmo-Kalender happy. Letztes Jahr hat er bei etlichen der liebevoll ausgesuchten Kleinigkeiten gemeckert…

    Und ich Rabenmutter gehe auch nicht mehr zu den diversen Weihnachtskonzerten meiner Sprösslinge. Mein Soll für dieses Leben ist mehr als erfüllt. Egal was die anderen denken!

    Herzliche Grüße
    Inge

    1. Danke liebe Inge,

      einiges beherzige ich ja schon. Trotzdem nicht so leicht, dieses ständige anders-sein. Ich denke auch, dass vieles leichter wird, wenn die Kinder älter sind, dann muss man da nicht mehr so viel zaubern zu Weihnachten und hat seinen Style gefunden, wie das Fest für alle am besten funktioniert. Das mit den Weihnachtskonzerten ist natürlich wirklich straight – aber klar, irgendwann ist halt auch mal gut.

      Danke für deine Ermutigung
      Anna

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