Warum ich nur Menschen einlade, die für sich selbst sorgen

Als Alleinerziehende musst du genau auf deine Energie achten, denn du musst zu einem gewissen Grad einfach funktionieren. Daher ist es wichtig, deine Zeit sinnvoll zu nutzen, Freiräume für dich selbst zu etablieren und auch die Menschen, mit denen du dich umgibst, sorgfältig auszuwählen. Und nur diese auserlesenen Menschen solltest du zu dir einladen. Alles andere ist stressig und ärgerlich. Immerhin musst du dich wohlfühlen und das geht nicht, wenn du dir ständig denkst „hoffentlich sieht der die ungewaschene Wäsche nicht“ oder „ich muss aber schnell noch Staub saugen, bevor sie reinkommen können“. Stattdessen solltest du dich mit positiven Menschen umgeben.

Es gibt ja Menschen, bei denen es immer ordentlich ist, bei denen man vom Boden essen kann und die auch keine Kram-Schubladen haben. Bei mir dagegen gibt es so eine Art Grundsauberkeit und darüber hinaus setze ich gern andere Prioritäten. Meine Wohnung ist also immer in einem Zustand der Besuchstauglichkeit, aber nur für Menschen, die nicht genau hinschauen, besonders pingelig sind oder Angst vor Staub haben. Denn mal ganz im Ernst: Ruhender Staub stört niemanden. Echt nicht.

Daher lade ich nur Menschen zu mir ein, die ich mag, die mich mögen und die kein Problem mit ungeputzten Fenstern und staubigen Regalbrettern haben. Solltest du auch machen, denn solche Menschen sind anstrengend. Und für anstrengende Menschen hast du als Alleinerziehende keine Energie. Die besten Chancen auf entspannte Besuche haben wir, wenn wir uns mit positiven Menschen umgeben. Wähle die unkomplizierten Menschen, die passenden.

Die Großeltern wollen zu Besuch kommen? So nicht!

Es gab mal eine Zeit, in der ich noch guten Willen beweisen wollte. Die Großeltern väterlicherseits wollten ihr Enkelkind sehen, das kann ich natürlich verstehen. Der Onkel und die Tante auch, na von mir aus – dann aber bitte ein Abwasch, alle zusammen und mit Kuchen. Muss ja irgendwie zu ertragen sein das Ganze.

Und ja, sie brachten Kuchen mit. Junior hat ja Anfang des Sommers Geburtstag und 2014, in seinem Geburtsjahr, hatten wir nicht nur WM, sondern auch einen heißen Sommer. Es gab also… Nein, keinen Erdbeerkuchen. Pflaume war es. Aufgetauter Pflaumenkuchen. Und tatsächlich hatte die „Oma“ auch noch Sahne mitgebracht. Bei 35 Grad Außentemperatur und einer Autofahrt von einer knappen Stunde. Da macht es so richtig Spaß, Sahne steif schlagen zu wollen. Mal davon abgesehen, dass ich keine Sahne mag. Schon gar nicht auf Kuchen.

Die Gäste wollten also Sahne. Und diese Aufgabe wurde dann mir übergeben, war ja schließlich meine Wohnung. Während also Junior schrie und extrem unzufrieden mit den vielen Menschen in seiner Umgebung war, mühte ich mich mit dieser Sahne ab und fluchte. Warum hatte ich mich darauf überhaupt eingelassen?! Und wollte ich nicht meinem Grundsatz folgen und mich mit positiven Menschen umgeben?

Unsensibel, übergriffig, anstrengend

Irgendwann war diese Sahne annähernd steif und ich frustriert. Natürlich hab ich noch nebenbei Kaffee gekocht, während ich versuchte, mein Kind vor all den übergriffigen Menschen zu schützen. Denn die hatten allesamt keine Idee davon, dass Babys das gar nicht so super finden könnten, wenn sie von fremden Menschen bestürmt werden, die dutzi-dutzi machen. Der Dings war hier natürlich ebensowenig eine Hilfe, denn der war ja auch nicht feinfühliger.

Ich war unfassbar angestrengt und auch verdutzt, wie wenig Verständnis diese Leute für die Bedürfnisse meines Sohnes hatten. „Ach, der ist jetzt müde?“ – „Ja, der schläft ja nicht tagsüber.“ – „Quatsch, alle Babys schlafen!“

Äh, ja. Eben nicht. Also, schon, aber eben nur wenn ich ihn trug und permanent in Bewegung blieb. Es war eine verdammt harte Zeit und ich war müde. Und ich fand diese Menschen noch anstrengender als ich es vorher immer fand, denn jetzt ging es nicht mehr um mich, um eine unangemessene Sprache oder merkwürdiges Verhalten. Nein, es ging um meinen Sohn. Da half auch kein aufgetauter Kuchen.

Die anderen: Danke Mama!

Meine Mama kam natürlich auch zu dieser Zeit ab und zu vorbei, wenn es ihr gut genug ging. Und sie versorgte mich mit Kuchen, Puddingteilchen und vorgekochtem Essen. Ohne sie wäre ich vermutlich verhungert, denn ich war so müde und gestresst durch mein High Need-Baby, dass ich oft keine Kraft mehr zum Kochen hatte (manchmal nicht mal mehr zum Essen).

Meine Nachbarn brachten mir vom Einkaufen Wasserkisten mit (damals brauchte ich noch Wasser mit Geschmack). Es waren kleine Gesten, die so viel bewirkt haben. Nicht nur, dass ich weniger Arbeit hatte, ich fühlte mich auch wertgeschätzt und ehrlich unterstützt. Manchmal fragten sie nicht mal, sondern stellten mir einfach eine volle Kiste vor die Tür. Danke noch mal – ich weiß nicht, ob ich es damals oft genug gesagt habe.

Wenn du die richtigen Menschen zum Kaffee einlädst

Sich mit positiven Menschen umgeben ist nicht nur das beste Mittel gegen übermäßigen Stress. Es hilft auch dabei, die richtigen Prioritäten zu erkennen. Ich erinnere mich noch an einen Besuch meiner besten Kita-Mom-Kolleginnen Lisa und Christin. Davor hatten wir uns meist bei Lisa getroffen, denn dort war ja immer alles so schön hergerichtet und ordentlich und überhaupt. Warum wir auf die Idee kamen, uns bei mir zu treffen, weiß ich nicht mehr.

Ich hatte erst Bedenken, dachte, ich müsste noch einen großen Frühjahrsputz machen (es war Herbst). Übrigens Herbst 2016, Ben war 2 und ein bisschen und ich hatte gerade meinen Bachelor-Abschluss geschafft. Ich hatte also eine anstrengende Phase hinter mir. Und: Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich hatte gar keine Zeit zum Putzen. Irgendwas war, dass der Tag vorher chaotisch und ich extrem müde war. Und morgens bin ich ja eh zu nichts zu gebrauchen.

Also stürmten Lisa und Christin an diesem Morgen meine Wohnung und ich versuchte noch fix, die verstreute Wäsche wenigstens in den Wäschekorb zu stopfen. Aber ich hatte nicht mit meinen Gästen gerechnet. Die waren nämlich schnurstracks in die Küche durchgebrochen und rissen alle Schränke auf, um Kuchenteller zu finden. Und als ich aus dem Badezimmer lugte, hatten sie bereits den Tisch gedeckt und die Kaffeemaschine angemacht. Und erst nach Kaffee und Kuchen fragten sie, ob sie die Wohnung anschauen dürften.

Wenn es sich anfühlt, als wären sie schon hundertmal dagewesen, dann hast du alles richtig gemacht. Ich hatte mir ganz umsonst Sorgen gemacht, alles war entspannt. Das ist eben genau das, was passiert, wenn wir uns mit positiven Menschen umgeben.

Und heute? Nur Menschen, die für sich selbst sorgen

Meine Freunde versorgen sich selbst mit Kaffee und Wasser, wenn sie bei mir sind. Ich finde nur wenige Dinge schlimmer, als ständig gefragt zu werden, ob man noch etwas brauche. Daher mache ich das selbst nie. Mein Besuch wird heute auf die Situation hingewiesen, dass er sich eigenständig melden muss, wenn er etwas braucht: Kümmere dich um dich selbst!

Ich setze also sehr viel Selbstfürsorge voraus. Mein Besuch versteht das und kommt gut damit klar. Alle wissen, wo sie Gläser und Tassen finden und versorgen sich dementsprechend. Klar: Wenn ich mir selbst etwas hole, dann frage ich, ob noch jemand etwas möchte.

Aber ich muss mich nicht ständig sorgen, ob alle versorgt und glücklich sind. In meiner Wohnung ist Selbstbedienung und das funktioniert für alle super. Ich lade nur liebe Menschen ein, denn ich möchte keine anstrengenden und energiefressenden Menschen in meiner Wohnung.

Wenn ich unterwegs bin, kann ich es nicht immer vermeiden, aber in meinen eigenen vier Wänden möchte ich mich nur mit positiven Menschen umgeben. Mit Freunden, die für sich selbst sorgen. Und die es mir nicht übel nehmen, wenn ich eben nicht alle zwei Minuten frage, ob noch etwas fehlt. Kann ich nur empfehlen!

Positive Grüße
Anna

Bild: Public Domain. webandi, Pixabay

2 Antworten auf „Warum ich nur Menschen einlade, die für sich selbst sorgen“

  1. Liebe Anna,
    ich liebe diesen Artikel und auch wenn ich nicht alleinerziehend bin. Ich unterschreibe trotzdem jedes Wort. So weise und so wahr für uns alle.

    Ruhender Staub ist auch meine Priorität nicht. Es gibt so viel Wichtigeres.
    Vielen Dank für Deinen Artikel!
    Herzliche Grüße aus Hamburg!

    1. Danke für deine Worte, liebe Inge. Ja, manche Texte sind sehr kraftvoll für andere und ich freu mich immer, wenn ich damit die richtigen Menschen erreiche. Egal ob nun alleinerziehend oder nicht. Aber das weißt du ja selbst 🙂

      Herzliche Grüße
      Anna

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