Verlieben als Alleinerziehende: Das war doch früher einfacher!

Ich hab mich verknallt. An einem Samstag. Und an einem weiteren Samstag und auch an ein paar Tagen dazwischen. Bis zu diesem Dienstag. Gestern. Er fragt mich, wohin das hier führen wird. Ich sage: „Ich hab mich verknallt. Und ich finde das gerade auch ganz angenehm so. Daher fände ich es gut, wenn wir dieses Gespräch hier in etwa zwei, drei Monaten weiterführen könnten?!“

Verknallen ja, immer wieder neu. Aber dieser Schritt danach… Wie geht das? Wie kann ich abschätzen, wohin ‚das hier‘ führen soll, wenn ich doch keine Erfahrungswerte habe, auf die ich zurückgreifen soll? Verlieben als Alleinerziehende scheint irgendwie kompliziert zu sein – oder liegt es an mir?

Irgendwann in diesem Prozess ist da ja noch jemand anderes beteiligt. Dieser andere Mann in meinem Leben. Dieser kleine, einen guten Meter lange Mann, der jede Nacht zwischen 23 und 24 Uhr zu mir ins Bett krabbelt. Wie passt der ins Dating? Oder vielleicht besser wann passt er ins Dating?

Verlieben mit Online-Dating – unterhaltsam, aber anstrengend

Anfang Juni habe ich mich ja beim Online-Dating-Portal finya angemeldet, brav mein Profil ausgefüllt und seitdem führe ich immer wieder die gleichen Gespräche. Hatte ich anfangs noch gedacht, ich könnte jede Nachricht beantworten, merkte ich schnell, dass ich mich auf die paar interessanten konzentrieren muss, um meine Zeit nicht sinnlos mit energieraubendem Blabla zu verschwenden. Und ja, ein paar interessante Gespräche kamen dann auch dabei rum.

Aber ich musste 15 Männer treffen, um einen zu finden, der zum Verknallen taugte. So betrachtet ist Online-Dating echt arbeits- und zeitintensiv. Nicht, dass mir Dating keinen Spaß macht… Aber es ist schon ermüdend, immer wieder die gleichen Geschichten zu erzählen (und zu hören). Und ein bisschen frustrierend ist es auch, nach einem möglicherweise ansprechenden Chatverlauf ein Date zu haben, das sich einfach nur verkehrt anfühlt.

Nicht mehr geschönt, nicht mehr gefiltert – da bekomme ich die gesamte Bandbreite an verqueren Vorstellungen über die Welt präsentiert. Das kann unterhaltsam sein und es ist ja auch nichts Schlimmes dran, nett einen Kaffee oder ein Bier zu trinken. Nur wiedersehen wollte ich so gut wie keinen dieser Männer. Online-Dating ist also eine Abfolge von sich wiederholenden Dialogen und dem wachsenden Gefühl, man greife ständig ins Klo.

Es hat Zoom gemacht

Bei diesem Mann ist es anders. Ich weiß heute nicht mehr, warum ich einem Date überhaupt zugestimmt hatte, denn wir sind so unterschiedlich, dass Zweifel angebracht gewesen wären. Aber es ist ja eine meiner merkwürdigen Angewohnheiten, dass ich immer Ja sage und mich in mein Leben hineinwerfe, ohne zu zweifeln.

Und nicht nur das Dating ist anders bei diesem Mann, sondern das Gefühl ist anders. Es ist so ein wow-Gefühl. Natürlich: Ich erschrecke mich erstmal und denke: „Achtung, Anna – nicht investieren, das sind nur Hormone…“ Und der andere Teil von mir sagt: „Ja, ich weiß, ich mach ja auch gar nichts – aber hast du diese Augen gesehen? WOW!“

Wäre ich Anfang oder Mitte 20, dann hätte ich an dieser Stelle schon alle Bedenken beiseite gewischt und meine Energie auf diesen großartigen Mann konzentriert. Denn das ist er – auch wenn er noch so anders ist. Aber heute ist das mit dem Verlieben nicht mehr so einfach. Oder liegt es an der Situation? Oder an beidem? Ich glaube, Verlieben als Mensch Ü30 ist schon mal anders als Anfang 20, aber Verlieben als Alleinerziehende ist so, als würde man permanent darauf warten, dass es nicht klappt.

Reicht Verlieben als Alleinerziehende denn aus?

Ein Mann, der längerfristig in mein Leben passt, müsste sich in vielen Dingen anpassen und Kompromisse machen. Mir ist das bewusst und ich bin dementsprechend misstrauisch während dieses ganzen Verliebens-Prozesses. Denn klar, es wäre doch einfacher für ihn, sich jemanden ohne Anhang zu suchen. Alleinstehende Frauen ohne Kind sind flexibler, spontaner, einfach ungebundener. Warum also sollte sich jemand in mich verlieben und dann auch noch dafür entscheiden, all das andere mitzutragen?

Lange habe ich geglaubt, dass das gar nicht geht, dieses Verlieben als Alleinerziehende. Ich dachte, mein Leben sei nicht attraktiv genug, dass sich jemand in mich verliebt und dann dabei bleibt, wenn der Alltag und der Anhang ins Spiel kommen. Und solange wir das glauben, kann es auch nicht passieren – davon bin ich mittlerweile felsenfest überzeugt.

Wie soll sich denn auch jemand für uns entscheiden, wenn wir nicht daran glauben, dass es überhaupt möglich ist? Wenn wir die infrage kommenden Menschen immer auf Abstand halten, weil wir Sorge haben, dass das Verliebtsein nicht ausreicht?

Ich schmeiß dir all meinen Kram vor die Füße

Eine sehr beliebte Taktik (auch von mir): Um zu testen, wie belastbar die Verbindung ist, schmeißt du dem potenziellen Partner einfach alles vor die Füße, was einen negativen Eindruck hinterlassen könnte. Deine Ängste, deine Neurosen, deine Fehler… Eben all das Unperfekte an dir. Du musst ja schließlich wissen, ob er mit all deinem Scheiß klarkommt.

Mach das nicht. Verscheuch ihn nicht. Vielleicht möchte er wirklich gern ein Teil deines Lebens sein und in kleinen Häppchen, wohl dosiert, wird er mit all dem Unperfekten klarkommen. Ich bin mir sicher. Geh es langsam an und behalte ein paar Geschichten erstmal für dich. Die, die flüchten wollen, tun es sowieso. Aber die, die bleiben, sollten wir nicht absichtlich vergraulen, bloß weil wir Angst haben.

Ich jedenfalls genieße jedes dieser Dates. Und frage mich, wie lange Dating reicht, bevor man dann doch so etwas wie Verbindlichkeit und Perspektive ansprechen muss. Ich will noch nicht. Verknallt sein ist doch gerade so schön. Also date ich noch ein bisschen. Und frage mich, was da wohl noch kommt, bevor ich mich so richtig verlieben will. Denn vielleicht ist es doch möglich: Verlieben als Alleinerziehende, als Ü30, als gestresste und belastete Person. Als Mensch eben.

Liebevolle Grüße
Anna

Bild: Public Domain. watcharaph, Pixabay

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