7 Dinge, von denen du immer genug hast, wenn du ein Kind hast

Noch bis zu meinem 28. Geburtstag konnte ich mir nicht annähernd vorstellen, wie es ist, Mutter zu sein. Oder was es bedeutet, ein Kind zu haben. Ich hatte keine Idee davon, wie schwer es ist, diese Verantwortung zu tragen und es war mir nicht klar, wie sich mein Alltag mit Kind innerhalb kürzester Zeit verändern würde. Es gibt viele Bereiche in meinem Leben, in denen ich jetzt verzichte. In anderen aber gibt es eine erstaunliche Fülle, die ich so vorher nicht erwartet hatte. Hier sind 7 Dinge, von deinen immer genug da ist, wenn du ein Kind hast.

1. Fragen

Dein Kind stellt selbstverständlich nicht von Anfang an selbst Fragen. Aber wenn es erst einmal damit angefangen hat, hört es nicht wieder auf. Schon morgens vor dem Frühstück geht es bei uns los: „Was essen wir heute?“ Ja, im Ernst: Junior interessiert sich noch vor dem Frühstück fürs Abendessen. Das liegt vermutlich daran, dass das Frühstück bei uns immer ähnlich aussieht, das Abendessen aber nicht. Er strukturiert so seinen Tag vor.

Dann gibt es die berühmten „Warum?“-Fragen, von denen ich täglich etwa 200 beantworten muss. Und wir haben die spannenden Diskussionsrunden in Bus und Bahn, bei denen wir besprechen, wann man nackt herumlaufen darf, warum Menschen in der Öffentlichkeit eher selten in der Nase popeln und wie eigentlich die Babys in den Bauch kommen.

Und nein, Junior gibt sich mit einem „Das besprechen wir nachher in Ruhe zuhause“ nicht zufrieden. Gut, dass ich mir geschworen habe, mein Kind nicht anzulügen. Das erfreut sicher viele Menschen, die wie wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

Übrigens: Auch die Zeit, in der dein Kind noch nicht sauber formulieren kann, ist voller Fragen. Du kannst nicht entkommen. Versuch es besser erst gar nicht und gewöhn dich daran, dir selbst und später auch deinem Kind täglich neue Fragen zu beantworten. Es wird zwar nicht unbedingt leichter, aber ein gewisser Gewöhnungseffekt tritt ein. Dann macht es dir nichts mehr aus, wenn 20 Menschen um dich herum wissen, wie deine Einstellung zu Trump und seiner Politik ist. Fragen und Antworten gehören eben zum Alltag mit Kind.

2. Sand

Egal, wie oft du den Staubsauger in die Hand nimmst und egal, wie sorgfältig du darauf achtest, dass die Schuhe nach dem Spielplatz-Besuch ausgeleert werden – es ist immer Sand da. Er ist eben nicht nur in den Hosen- und Jackentaschen, sondern auch in den Haaren, in den Socken und in der Unterhose.

Dadurch ist der Sand auch in der Wohnung. Und dort ist er im Flur, im Badezimmer, auf dem Sofa und in den Betten. Ich habe alles versucht: Kind komplett vor der Haustür ausziehen und entsanden. Kind sofort nach dem Spielplatz unter die Dusche oder in die Badewanne. Alle Klamotten sofort in die Wäsche und am besten gar nicht erst in die Wohnung bringen lassen. Schuhe natürlich vor der Wohnungstür ausziehen.

Und trotzdem ist immer Sand da. Immer. Häufchenweise. Die kleinen Sandberge lassen sich im Alltag mit Kind nicht vermeiden. Nicht nur im Sommer, auch im Winter. Ich habe mich damit abgefunden und ich lebe ganz gut damit. Es ist eine spezielle Form der Fülle.

3. Liebe

Romantik pur? Jain. Die Liebe von deinem Kind ist unfassbar, unbeschreiblich und einfach krass. Sie ist pur, einfach und zweifelsfrei. Genau wie deine eigene zum Kind. Diese Symbiose konnte ich mir so auch überhaupt nicht vorstellen. Und ich bin da nun wirklich nicht romantisch und verklärt unterwegs.

Nimm das aber nicht als selbstverständlich hin. Es ist ein Geschenk, ein Zustand, eine Grundhaltung, ja. Aber Liebe ist kein Selbstläufer. Ich freue mich jeden Tag daran, wie sehr ich Junior liebe und ich sage es ihm auch jeden Tag. Mama-Liebe ist bei uns ein Allheilmittel gegen alles – von Beule über Angst bis schlechte Laune. Und Junior-Liebe funktioniert dafür in Fällen von Stress, Traurigkeit oder Migräne. Sie ist Alltag im Leben mit Kind, sie ist einfach immer da, auch wenn du mal nicht dran denkst. Genieß es. Ganz bewusst.

4. Wäsche

Ich erinnere mich noch an früher, als ich maximal einmal pro Woche, eher alle zwei Wochen mal gewaschen habe. Als ich die Maschine mit Handtüchern auffüllte, damit sie endlich voll wird. Das ist jetzt anders. Ich weiß nicht genau, wie Junior das macht, aber er hat einen enormen Verschleiß an T-Shirts und Hosen (und natürlich auch an Socken und Unterwäsche). Na gut, ich weiß doch, wieso das so ist.

Aber erstaunlich ist es schon. Wir waschen und waschen, aber trotzdem ist unser Wäschekorb nie leer. Zusätzlich zur Kleidung gibt es ja auch mehr Bettwäsche, mehr Handtücher, mehr Schlafanzüge, die die Nacht nicht trocken überstehen. Es ist einfach immer Wäsche da. Das ist dein neuer Alltag mit Kind. Versuch trotzdem, die Berge von Wäsche nicht zu ernst zu nehmen. Mach lieber etwas Schönes und Wertvolles, als dich mit deinem vollen Wäschekorb zu beschäftigen. Es gibt so viel Wichtigeres als das 😉

5. Lärm

Weißt du, was ich am meisten genieße, seit ich Mutter geworden bin? Die erste halbe Stunde, wenn das Kind schläft. Denn diese halbe Stunde ist so still, dass ich manchmal einfach nur dasitzen will, um zu lauschen. Nichts anderes. Oft läuft abends bei uns die Spülmaschine und brummt und rappelt so ein bisschen. Aber ansonsten ist es einfach nur ruhig. So schön!

Der Rest des Tages ist irgendwie voller Geräusche und Lärm. Morgens das ärgerliche Stöhnen, wenn ich Junior wecke und er sich umdreht, um weiterzuschlafen. Beim Frühstück schon ist er sehr lebendig und quatscht wie ein Wasserfall. „Weißt du…?“ ist einer der häufigsten Satzanfänge, die er mir entgegenschleudert, während ich noch in meine Kaffeetasse starre und versuche, mein Gehirn anzuschalten. Junior erzählt den ganzen Tag. Jeden Tag.

Und selbst in der Zeit, die Junior in der Kita verbringt, ist es nicht so richtig still. Da höre ich das Tippen meiner Tastatur, die Töne vom Smartphone, manchmal auch Musik, denn ich mag Musik beim Schreiben. Und da sind natürlich auch Geräusche von draußen – insbesondere im letzten halben Jahr, denn wir haben eine große Baustelle vor der Tür.

All diese Geräusche gab es vor Junior auch schon, aber da hatte ich mehr Pausen zwischendurch und einfach eine andere Wahrnehmung. Jetzt kommt mir mein Feierabend unfassbar ruhig und entspannend vor. Das bewusst wahrzunehmen ist großartig!

6. Glitzer

Bastelt dein Kind gern? Dann kennst du sicher auch das Phänomen, dass in der Wohnung überall, ich meine überall (!), Glitzer herumliegt und -fliegt. Junior liebt basteln. Er schneidet, schnipselt, klebt, liebt Farben und Formen, Schablonen und eben: Glitzer. Bei uns zuhause gibt es nur zu großen besonderen Bastelaktionen Glitzer, aber in der Kita gibt es immer Glitzer. Und egal, wie viel Kleber Junior verwendet, es kommt einfach nicht vor, dass all der Glitzer auf den Kunstwerken kleben bleibt.

Dieser Glitzer lässt sich dann nur mit sehr viel Mühe entfernen und eigentlich bleibt immer ein Rest irgendwo auf dem Boden oder auf Möbeln kleben. Und nicht nur das: Ab und zu verirrt sich dann auch mal ein bisschen Glitzer in unsere Kleidung, von da aus auf unsere Haut und dort bleibt er dann. Wundere dich also nicht, wenn du mich mal triffst und mir klebt ein bisschen Glitzer am Auge. Auch das gehört zum veränderten Alltag mit Kind. Das ist normal, ich habe ein bastelndes Kita-Kind.

7. Unvernunft und Staunen: Denk- und Lernimpulse

Alltag mit Kind bedeutet immer auch einen neuen Blick auf dich selbst. Dein Kind spiegelt dein Verhalten und zeigt dir deine Schwachstellen und Eigenarten auf. Außerdem wird es dir eine ganz neue Welt zeigen – seine eigene. Und die bringt dich regelmäßig zum Staunen, da bin ich mir sicher. So oft sitze ich hier und denke mir „Wow, das habe ich so noch nie betrachtet.“

Oder aber ich albere herum, mache Dinge einfach nur aus dem Impuls heraus, ohne vorher gründlich zu überlegen, ob das jetzt gerade angemessen ist. Unvernunft ist etwas Tolles und das sollten wir mehr schätzen. Kinder sind da so herrlich unbedarft und ich freue mich immer, wenn Junior mich mit dieser Stimmung ansteckt. Denn eigentlich brauchen wir doch viel mehr Abenteuer in unseren Leben, oder?

Ich denke anders, ich lerne anders und ich staune viel mehr als früher. Denn ich darf die Welt ein bisschen so sehen wie Junior es tut. Das ist außergewöhnlich und spannend. Und wenn ich mir Zeit nehme und aufmerksam bin, dann kann ich aus diesen Situationen eine Menge lernen. Das ist Alltag mit Kind, aber auch Abenteuer, ausbrechen und frei assoziieren. Nimm diese Einladung von deinem Kind ruhig öfters an!

Alltag mit Kind heißt Veränderung annehmen und bewusst mitgehen

Ja, ich weiß: Hier in meiner Liste sind nicht nur tolle Dinge, sondern auch solche, die dich nerven können, die anstrengend und doof sind. Die Frage ist aber immer, wie du mit den Digen umgehst. Nimmst du sie mit einem Augenzwinkern, so wie ich es hier getan habe? Oder ärgerst du dich jedesmal von Neuem, wenn es wieder eine „warum“-Phase gibt?

Ich glaube, wir müssen öfter daran denken, dass all diese Dinge Geschenke sind. Geschenke und Einladungen, das eigene Leben und die eigene Einstellung zu reflektieren. Nimm es als Chance und nimm nicht alles so schwer und ernst. Sand ist Sand, Krümel sind Krümel und selbst Glitzer ist nicht nur nervig.

Irgendwann, wenn die lieben Kleinen ausgezogen sind, dann merken wir vielleicht, dass ein bisschen Sand und mehr Wäsche gar nicht so schlimm waren…

Grüße aus der Fülle
Anna

Bild: Public Domain. RAMillu, Pixabay

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