Leben mit Kind: Alles anders

Es ist Weihnachten – ein guter Zeitpunkt, um hier zu starten? Ich weiß es nicht so genau. Was ich aber weiß, ist, dass sich mein Leben vor etwa vier Jahren ziemlich radikal verändert hat. Weihnachten vor vier Jahren habe ich meine Familie eingeweiht, dass ich schwanger bin.

Und ich habe dem engsten Kreis auch gleich mitgeteilt, dass sich die Beziehung zu dem Erzeuger wohl nicht halten lassen wird. Das war damals zwar noch nicht ganz offiziell, aber es wäre doch schon sehr merkwürdig gewesen, wenn wir das noch hätten kitten können. Und damit war es dann auch besiegelt: Mein Leben, wie ich es mal kannte, war vorbei. Denn die Aufgaben waren jetzt andere. Die Planung war anders. Ich war anders. Ich führe ein Leben mit Kind.

Es ist schon verrückt, wie sich alleine Weihnachten verändert hat. Ich mochte dieses Fest nie besonders, aber es war immer schön, wenn sich der Rest meiner kleinen Familie dann doch mal zusammenfand. Und wenn das halt nur an Weihnachten geht, dann war das halt so. Wir haben gemeinsam gegessen und vielleicht gab es auch mal etwas Besonderes, was wir sonst nicht kochen würden.

Jetzt ist Weihnachten ein Fest mit großem Schmücken, mit Deko, mit Baum, mit Geschenken. Leben mit Kind, Weihnachten mit Kind. Das ist auch schön, aber nicht mehr so wie früher. Wo wir früher noch nach dem Familienabend tanzen gegangen sind, ist jetzt eben Kind ins Bett bringen und ruhiger Abend angesagt. Aber das ist ja eben nicht nur an Feiertagen so.

Das Problem mit dem Ausgehen: Man muss das planen

Ich war seit über vier Jahren nicht mehr tanzen. Ich war auch seit über vier Jahren nicht mehr im Kino. Nur für mein geliebtes Theater habe ich mir ab und zu eine kleine Auszeit gegönnt. Allerdings längst nicht in der Frequenz wie früher oder nach der Frage, welche Stücke ich gerne sehen möchte.

Jetzt schaue ich Stücke nach dem Datum, an dem sie aufgeführt werden. Das liegt daran, dass ich mir für jedes Stückchen Freizeit einen Babysitter nehmen muss. Man macht sich das ja nicht so klar, aber in letzter Instanz bin ich eben die, die zu Hause bleibt.

Auch das ist alleinerziehend sein: Dann ist dein Leben mit Kind ein Leben ohne Pause. Auch wenn er seit ein paar Monaten auch mal bei seiner Oma schläft und die beiden ganz viel Spaß zusammen haben.

Wie nutze ich freie Zeit am effektivsten?

Es ist nicht so, dass ich an diesen freien Abenden tanzen und saufen gehe. Meistens ist es sogar so, dass ich zu Hause am Schreibtisch sitze und mal so ganz in Ruhe arbeite. Ohne ständig im Blick zu haben, dass Junior jede Minute in der Tür stehen könnte und dann die Arbeitsphase vorbei ist.

24/7 – mein Leben mit Kind wirkt auf all meine Lebensbereiche. Ich muss also jede – besonders abendliche – Aktivität genau planen. Und ich muss mir überlegen: Lohnt sich das?

Denn das ist auch so ein kurioses Gefühl: Wenn ich schon einen Babysitter habe, dann muss ich die Zeit auch nutzen. Dann muss ich produktiv sein. Oder ich muss so richtig Spaß haben. So richtig toll essen gehen. Damit sich das auch lohnt. Es ist paradox – denn entspannend ist das eher selten.

Entspannend waren die ersten Abende, an denen mein Sohn außer Haus schlief. Ich habe nämlich einfach nichts gemacht. Nur auf dem Sofa gelegen und total doofe Krimi-Serien geschaut. Mehr hätte ich gar nicht geschafft. Ich war das damals so gar nicht gewohnt, mal abzuschalten.

Das ist jetzt zwar anders, aber das Paradoxe bleibt. Ich kann auch nie „bis in die Puppen“ wach bleiben, denn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen spätestens um acht beim Bäcker sein muss, um danach mit meinem Sohn zu frühstücken. Mein Leben ist jetzt ein anderes.

Das gleiche in grün: Sport

Man sagt ja immer über Mütter, dass sie so wahnsinnig produktiv und organisiert seien – das stimmt. Ich bin organisiert bis in die Haarspitzen, um alle meine To-dos erledigt zu bekommen. Manchmal klappt es auch nicht, aber anstatt das darauf zu schieben, dass es einfach zu viel ist, sage ich mir: „Das war schlecht geplant.“

Ich habe anfangs gedacht, ich könnte mit meinem Sohn joggen gehen. Darauf hatte ich mich total gefreut, denn als ich dann so richtig schwanger war, hatte mir meine Ärztin davon abgeraten, weiter laufen zu gehen. Das war ärgerlich und enttäuschend, aber dann dachte ich: „Naja, nach der Schwangerschaft darfst du wieder“.

Ich kaufte mir extra einen Kinderwagen mit Federung und großen Luftreifen, damit ich auch schnell im Park unterwegs sein würde. Und dann, als ich endlich wieder durfte, stellte ich fest: Auch dafür brauche ich einen Babysitter. Erst hatte ich versucht, mit Kinderwagen zu laufen. Das war zwar mega anstrengend, aber es ging.

Leben mit Kind ist, selbst duschen zu planen

Das Problem kam dann, wenn ich nach Hause kam. Junior war schon immer ein schlechter Schläfer. Wenn er also mal im Wagen einschlief, wurde er sofort wieder wach, sobald der Wagen stehenblieb. Und dann hatte er schlechte Laune und war oft nur durch Tragen zu beruhigen. Für jemanden, der gerade Höchstleistungen beim Joggen vollbracht hatte, war das echt mies, denn eigentlich wollte ich doch nur unter die Dusche.

Jetzt gibt es bestimmt Leute, die sagen „Da muss er dann halt durch. Geh duschen und dann muss er halt so lange meckern.“ Ja, habe ich ausprobiert. Aber weißt du, wie das auf die Motivation geht? Wenn du weißt, es wird schrecklich nach dem Laufen und dein Kind brüllt dich 15 Minuten an während du duschst und dich wieder anziehst? Eben. Da ist nichts mit Entspannung. Oder mit Spaß. Ich habe es einfach unterschätzt, dieses Leben mit Kind.

Sport und Entspannung: Aber nur mit schlauer Planung

Ich habe also gelernt: Sport geht auch nur mit Babysitter. Oder aber ich muss es in der Zeit machen, wenn Junior in der Kita ist. Aber mal ehrlich: Wer würde diese kostbare und kurze Zeit denn für Sport nutzen? Wenn man doch so viel schaffen und erledigen kann?

Es bleiben für mich nur die Zeitslots, wenn Junior im Bett ist. Und auch das bedeutet Planung – zumindest wenn ein Kind so schlecht schläft wie meins.

Wie früh muss ich anfangen mit meinem Workout, damit ich noch duschen kann bevor er wach wird? Denn: Das wird er. Wie leise muss ich sein, damit ich ihn – auch über die Entfernung von drei Zimmern – nicht wecke? Alles Dinge, die bedacht werden müssen. Und da fragen sich manche noch, warum ich mich nicht mal entspanne. Als wäre das so einfach.

Das Problem mit dieser Art zu leben

Was machen nun diese Einschränkungen mit dir? Ich habe festgestellt, dass ich zwar immer besser im Planen werde, aber immer schlechter im Entspannen. Das ist diese Optimierungs-Falle.

Du hast eben nur begrenzte Zeitfenster und willst sie so effektiv wie möglich nutzen. Dabei geht es dann gar nicht mehr um Freizeit, sondern um Events. Habe ich mal einen Abend frei, dann muss da am Ende auch ein Ergebnis stehen. Freund getroffen, den ich lange nicht mehr gesehen habe oder gut essen gewesen oder schönes Theaterstück gesehen.

Was aber wenn das Theaterstück dann nicht gut war? Dann komme ich tatsächlich in diese dumme Sprache „Hat sich das gelohnt?“ Und ich habe eben den Eindruck, dass das jetzt, wo ich noch weniger Zeit habe, stärker ausgeprägt ist.

Für 2018 habe ich mir vorgenommen, auch mal nicht zu planen. Mal sehen was dann passiert. Ich habe mir allerdings jetzt schon Zeit freigehalten für einen Kurs, in dem es um Entspannung geht. Optimierung eben.

Optimierungswütige Grüße
Anna

Bild: Public Domain. Alexa_Fotos, Pixabay

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